Warum Kerzen Zugluft meiden und wo sie stehen sollten
Eine Kerze brennt nur dann ruhig und gleichmäßig ab, wenn die Luft um sie herum still steht. Zugluft stört dieses empfindliche Gleichgewicht auf mehreren Ebenen. Zunächst einmal wird die Flamme mechanisch abgelenkt: Ein Luftstrom drückt sie zur Seite, sie flackert, wird länger und beginnt zu rußen. Dabei verbrennt das Wachs nicht vollständig, und es entsteht schwarzer Rauch, der sich an der Wand oder am Kerzenhalter absetzt. Noch wichtiger ist jedoch der Einfluss auf die Verbrennungstemperatur. Eine ruhige Flamme erzeugt einen gleichmäßigen Schmelzrand rund um den Docht. Bei Zugluft kühlt die Luft diesen Rand unregelmäßig ab, sodass das Wachs an einer Seite schneller schmilzt als an der anderen. Die Folge ist ein schiefes Abbrennen, ein sogenannter Tunnel, bei dem Wachs am Rand stehen bleibt.
Viele Menschen stellen Kerzen instinktiv dorthin, wo sie gut aussehen: auf die Fensterbank, neben eine offene Tür oder unter einen Ventilator. Genau diese Plätze sind jedoch problematisch. Ein Fenster, das auch nur einen Spalt offen steht, erzeugt einen konstanten Luftzug, der kaum spürbar ist, aber ausreicht, um die Flamme instabil zu machen. Ähnliches gilt für Standorte in der Nähe von Heizkörpern: Die warme Luft steigt auf und verwirbelt die Umgebung. Wer bemerkt, dass die Kerze unruhig brennt, sollte den Standort überdenken, bevor er über die Wachsqualität urteilt. Wenn Kerzen tropfen, liegt das nämlich häufig nicht am Material, sondern an einem ungünstigen Platz mit zu viel Luftbewegung. Ein ruhiger, geschützter Ort löst das Problem meist schneller als der Wechsel zu einer teureren Kerze.
Für einen guten Standort gilt: weg von Fenstern, Türen, Lüftungsschlitzen und stark frequentierten Durchgängen. Ideal ist eine Ecke im Raum, in der die Luft kaum zirkuliert, oder eine Fläche hinter einem Möbelstück, das als Windschutz dient. Auch die Höhe spielt eine Rolle. Kerzen auf einem hohen Regal oder Sideboard sind weniger betroffen als solche, die direkt auf dem Boden stehen, wo kühle Luft entlangstreicht. Wer eine Kerze in einem Glas oder einer Laterne platziert, schützt die Flamme zusätzlich vor seitlichen Luftströmen, ohne dass die Sauerstoffzufuhr unterbrochen wird. Wichtig ist, dass oben genug Luft austreten kann, sonst erstickt die Flamme oder das Glas wird rußig.
Ein letzter Punkt betrifft die Pflege. Selbst am besten Standort kann eine Kerze ungleichmäßig abbrennen, wenn der Docht zu lang ist oder sich Krümel im Wachs befinden. Vor jedem Anzünden sollte der Docht auf etwa fünf Millimeter gekürzt und Wachsreste entfernt werden. Brennt die Kerze dennoch schief, hilft es, sie für kurze Zeit an einen völlig windstillen Ort zu stellen und die Flamme den Rand gleichmäßig erwärmen zu lassen. Mit etwas Geduld und dem richtigen Platz brennt jede Kerze länger, sauberer und ohne Rußbildung.